Mittwoch, 21. September 2016

Perry Rhodan Sekundärliteratur: "Der Computermensch" mit Materialien (1981)

Klett Lesehefte "Perry Rhodan - Der Computermensch mit Materialien" zusammengestellt von Rolf Kellner, in der Reihe: Lesehefte für den Literaturunterricht, in neuer Folge herausgegeben von Rainer Siegle und Jürgen Wolff, 1. Auflage 1982
Zielgruppe: 9./10. Klasse 

Mit dem vorliegenden Leseheft wurde im Jahr 1982 der Versuch unternommen, einen Doppelroman aus der Science Fiction Heftserie Perry Rhodan (seit 1961, fortlaufend, wöchentliche Erscheinungsweise) als Schullektüre aufzubereiten. Es handelt sich um den Doppelroman 1010/1011 Der Computermensch/Angriff der Brutzellen von Peter Griese. Da Inhalt und Qualität der beiden Romane durch Nachlesen der e-book-Ausgaben bzw. Nachschlagen in entsprechenden Quellen verifiziert werden können, sei hier nur auf den Erläuterungs- und auf den Materialteil eingegangen.

Auf der Umschlagseite befindet sich eine textspezifische "Kleine Leseanleitung". Neben der Aufgabe "Lies bitte den folgenden Perry-Rhodan Text zügig durch." finden sich hier Hinweise auf die bei Unterrichtsausgaben literarischer Texte üblichen Fremdworterklärungen sowie die Aufforderung, nicht serienspezifische Begriffe in einem normalen Lexikon nachzuschlagen. Hinsichtlich der Fremdworterklärungen wird auf die Lesehilfen ab S. 112 sowie auf die Artikel aus dem Perry Rhodan Lexikon ab S. 118 verwiesen.

Ein Hinweis auf den Autor der vorliegenden Romane findet sich nicht im Impressum, sondern lediglich auf einer Reproduktion der Rota-Seite des Romans Nr. 1010 "Der Computermensch. ("von PETER GRIESE, Exposé-Redaktion: K. H. Scheer und William Voltz") Die beiden Romane 1010 "Der Computermensch" und 1011 "Angriff der Brutzellen" sind in leicht verkürzter Form im heftromanüblichen Spaltendruck wiedergegeben, beide Titelbilder sind in schwarz/weiß abgedruckt, eine Innenillustration ist vorhanden, ebenso die Vorschau auf Band 1012. Rota-Seite und Hauptpersonen-Kästchen sind nur bei Band 1010 berücksichtigt, da sie sich vermutlich von ihren Entsprechungen in Band 1011 nur rudimentär oder gar nicht unterscheiden.

"Mehr als 400 Jahre sind seit dem Tag vergangen, da Perry Rhodan mit der BASIS* von einem der schicksalsschwesten Unternehmen in den Weiten des Alls in die Heimatgalaxis* zurückkehrte und auf der Erde landete." (S. 5.)
Worterklärung, S. 112 BASIS Name des Raumschiffs von Perry Rhodan
Worterklärung, S. 113 Heimatgalaxis s. Lex. [siehe Lexikon] unter dem Stichwort 'Galaxis'

Nach den beiden Romantexten unter den Ordnungspunkten 1 und 2 beginnt der Erläuterungsteil. Ordnungspunkt 3 fasst "Die Handlung der Hefte 1 bis 1000" zusammen. Der Text entstammt einer Verlagsbroschüre. Auf eineinhalb Seiten werden wesentliche Handlungslinien aufgeführt, ohne dass man sich in Einzelheiten verliert. 

Ordnungspunkt 4 befasst sich mit Risszeichnungen. Zwei Seiten Skizzen und eine Seite Beschreibung entfallen auf "Das Raumschiff des Perry Rhodan", wobei dessen Name, SOL, nicht erwähnt wird. Die zweite Risszeichnung ist ein "Stratosphärengleiter Typ SSFV - RT 73/1C" (eine Seite Skizze, eine Seite Beschreibung). Die dritte Risszeichnung entstammt nicht den Perry Rhodan Heften, sondern dem Spiegel (Nr. 14/81 vom 30.3.1981) Die Überschrift lautet "Space Shuttle 1980 - Mit der Kraft von 40 Jumbo-Jets ins ALL", auf zwei Seiten finden sich eine Skizze sowie zwei comicartige Darstellungen eines  Fluges des Shuttles.

Unter Ordnungspunkt 5 finden sich die bereits erwähnten Wort- und Sacherklärungen. (Beispiele: LFT, Seth-Apophis, Terrania, Transmitter, Trojanisches Pferd [sic!])

"STARDUST: Name des Raumschiffs, mit dem Perry Rhodan und die anderen Genannten 1971 angeblich [sic!] auf dem Mond landeten. Mit der Schilderung dieser Mondlandung begann vor 20 Jahren die PR-Serie." (S. 116) 

Das Wort "angeblich" ist hier völlig unangemessen, bezieht sich diese Beschreibung doch auf eine fiktive Romanhandlung in der Vergangenheit (Ausgangszeitpunkt: 1982), die sich von der realen Vergangenheit unterscheidet, was hier wohl betont werden soll. "Angeblich" jedoch passt hier überhaupt nicht. Dies drückt aus, die Autoren würden behaupten, es sei tatsächlich so geschehen. Das ist schon deshalb nicht möglich, weil die betreffenden Romane über das Jahr 1971 schon 1961 verfasst wurden. 

Zur Verdeutlichung: Es lässt sich sagen, dass Karl May in einer bestimmten Phase seines Lebens angeblich Old Shatterhand war, weil er während der "Old Shatterhand Legende" sein eigenes Leben und das des Romanprotagonisten gleichsetzte. Dies ist ein Sonderfall der Vermischung von Fiktion und Realität. Es wäre aber unangemessen, z. B. zu behaupten, in den Achtziger Jahren habe es "angeblich" eine künstliche Intelligenz gegeben, die ein Fahrzeug selbstständig steuern konnte und dabei Bezug auf die Handlung der fiktiven US-Serie "Knight Rider" (1982-1986) zu nehmen. Richtig wäre in solchen Fällen eine Formulierung wie "in der fiktiven Serienhandlung".

Es folgen unter Ordnungspunkt 6 einige Begriffe aus dem Perry Rhodan Lexikon. (Hyperkom, Hyperonen, Hyperraum, Lichttheorien, Linearflug, Linearraum, Zeitreise, Zellaktivator) Dieser Abschnitt ist mit "6.1. Begriffe zwischen Science und Fiction" überschrieben. Unter "6.2. Helden werden vorgestellt" folgen Biographien von Perry Rhodan, Reginald Bull und Julian Tifflor.

Mittwoch, 27. Juli 2016

Derrick Folge 10: Hoffmanns Höllenfahrt

Derrick Folge 10:
Hoffmanns Höllenfahrt (1975)
Der Fernsehtechniker Richard Hoffmann (Klaus Löwitsch), bis dato ein unbescholtener Bürger, vergewaltigt und tötet die Tochter seines Nachbarn, Anneliese (Ingrid Steeger), der er eines Tages nachts auf der Landstraße begegnet. Die junge Frau ist auf dem Rückweg von einer Feier, alkoholisiert und mit dem Fahrrad unterwegs. Als tags darauf ihre Leiche auf einer Müllkippe gefunden wird, ermitteln Oberinspektor Derrick und Inspektor Klein. Ein Zeuge (Willy Schäfer) liefert wertvolle Hinweise. In den Fokus gerät alsbald Hoffmann, der sich zunehmend seltsam verhält und sehr gestresst wirkt.
Wie alle frühen Derrick-Folgen richtet sich Hoffmanns Höllenfahrt nicht nach dem Whodunit-, sondern nach dem Columbo-Schema, bei dem der Täter von Anfang an bekannt ist. Die Wandlung des Allerweltsmenschen Hoffmann zum Schuldigen wird von Krimiroutinier Klaus Löwitsch überzeugend dargestellt. Etwas blass bleibt Judy Winter in der Rolle seiner Ehefrau. Dass die Ehefrau ihrem Gatten "Probleme mit Frauen" andichtet (wohl aufgrund von Seitensprüngen, jedenfalls nicht wegen vorhergehender Delikte) wirkt etwas befremdlich. Hier soll wohl dem Eindruck des Biedermannes, der zum Täter wird, entgegengewirkt werden, indem Hoffmann als prädestinierter Verbrecher hingestellt wird. Dem steht der Tathergang entgegen. Hoffmann scheint sich zunächst gegen das Sexualdelikt zu sträuben, sich dann aber einzureden, das Gerede Annelieses im alkoholisierten Zustand als Avancen zu interpretieren. Das Tötungsdelikt geschieht ohne direkten Vorsatz, wenngleich ein Mordmerkmal (die Tat geschieht zur Verdeckung einer Straftat) vorliegt. Über einen Eventualvorsatz (billigendes Inkaufnehmen des möglichen Todes des Opfers) kann man allerdings streiten.
Ein Problem der Folge liegt in der fehlenden Darstellung wissenschaftlicher Ermittlungsarbeit. Auch in den Siebzigern sollte es möglich gewesen sein, ein Auto kriminaltechnisch zu untersuchen, um festzustellen, ob ein (bestimmtes) Fahrrad im Kofferraum gelegen hat. Lackkratzer und dergleichen geben Aufschluss, ebenso Schmutz. Geradezu schlampig wirkt der Umstand, dass man nicht intensiver nach dem Fahrrad sucht und dass der Einsiedler nicht gefunden wird. Es wäre für die Geschichte vielleicht besser gewesen, Hoffmann seinen anfänglichen Vorsatz, den Einsiedler zu töten, ausführen zu lassen, dann hätte jedenfalls ein Mord vorgelegen. Die Schlussszene wirkt sehr gewollt, um zu einem gerüttelt Maß an Action und zu einem dem Titel gerecht werdenden Ende zu kommen und ist sehr unrealistisch. Derrick hätte sein Ziel auch im Verhörraum erreichen können. Handwerklich überzeugend ist die Szene aber allemal, Derrick-Zuschauer, die nur die Folgen der Neunziger kennen, würden ihren Augen nicht trauen.
Fazit: Unterhaltsam. Eine bessere Bearbeitung des Themas liefert die Kommissar-Folge "Mit den Augen des Mörders".

Montag, 7. September 2015

Perry Rhodan 116: Duell unter der Doppelsonne

Der Roman von K. H. Scheer rundet die Handlung um Perry Rhodans abtrünnigen Sohn Thomas Cardif ab, der die Position Perry Rhodans übernommen hat. Es handelt sich um eine Ich-Erzählung aus der Sicht von Scheers Lieblingsfigur Atlan.
Während Perry Rhodans Mitarbeiter, unter ihnen der Ewige Zweite Reginald Bull und Abwehrchef Allan D. Mercant die körperliche monströse Veränderung ihres vermeintlichen Chefs und dessen absurde Verhaltensweisen zwar merkwürdig finden, aber keinerlei Verdacht schöpfen, fällt es Atlan zu, den Betrug aufzudecken.
Die körperliche pathologische Veränderung des falschen Rhodan geht auf den Zellaktivator zurück, der auf die Individualschwingungen des echten Rhodan abgestimmt ist. Cardif hat sich diesen beim Geistwesen ES beschafft, das natürlich keinen Augenblick lang über die Identität seines Besuchers getäuscht wurde.
Eine  Person wird durch einen Doppelgänger ausgetauscht, ohne dass in deren Umgebung jemand etwas merkt. So etwas ist eigentlich ein Micky Maus- oder Seifenopern-Plot. Dementsprechend gibt es einige Logiklöcher: Wenn der Chef sich absurd verhält, seine Mitarbeiter permanent beleidigt und seine komplette bisherige Politik über den Haufen wirft und man dies auf eine augenscheinliche schwere Erkrankung zurückführt, warum setzt man ihn nicht ab? Selbst im Rahmen des Kriegsrechts sollte in Demokratien eine solche Möglichkeit bestehen. 
Wie auch in der Jahre später entstandenen Star Trek Episode "Turnabout Intruder" wird hier die Hörigkeit militärischer Offiziere gegenüber ihrem Befehlshaber auf die Spitze getrieben. Offenbar wurde dies in den Sechzigern als ein generelles Problem mititärischer Hierarchie angesehen. 
Von der übertriebenen Beweihräucherung des echten und falschen Perry Rhodan abgesehen gelingt Scheer hier ein sehr gutes Atlan-Abenteuer mit manchen Anspielungen auf frühere Episoden. Der Satz "Das Wasser ist nass" aus dem frühen Scheer-Roman "Der Einsame der Zeit" hat jüngst sogar Aufnahme in den 2800. Band gefunden. Die Überreichung des Zellaktivators an seinen rechtmäßigen Besitzer ist zudem eines DER Ereignisse der PR-Historie.

Dienstag, 28. Juli 2015

Perry Rhodan 211: Geheimwaffe Horror

Titelbild und Untertitel des Romans zeigen es bereits überdeutlich, so dass es später, wenngleich sorgfältig vorbereitet, nur für die Protagonisten zur schockierenden Überraschung wird, nicht aber für die Leser: Es geht, mit Swift gesprochen, in das Land Liliput. ("Ihre Umwelt und sie selbst werden ums Tausendfache verkleinert - es ist das Werk des Potenzialverdichters") Das Titelbild geht, wie von Bruck gewohnt, etwas großzügig mit den Dimensionen um.
Die CREST II befindet sich im Leerraum zwischen den Galaxien im Horror-System, wo man dem Inneren der künstlichen Hohlwelt Horror glücklich entkommen ist und nun auf Nachschub in Form des Experimentalschiffes ANDROTEST II wartet.
Hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise kommt es zu einem durchaus ernsthaften Zerwürfnis zwischen Perry Rhodan und Atlan, da der Terraner in gewohnter Weise die Erkundung der Oberfläche Horrors anstrebt, während Atlan zur Vorsicht mahnt. ("Unsere Blicke trafen sich. Zwischen mir und dem hageren Terraner war es zum ersten Mal seit unserer Bekanntschaft [sic!] zu einer ernsthaften Verstimmung gekommen.")
Während die CREST II Kurs auf Horror nimmt, begeben sich Atlan, der Haluter Icho Tolot und Sergeant Miko Shenon an Bord einer Space-Jet.
Es kommt, wie es kommen muss: das Flottenflagschiff geht in die Verkleinerungsfalle. Das Mysterium der "veränderten" Oberfläche Horrors, die Erkundungen der Terraner und die Konfrontation mit den drei normalgroß gebliebenen zur Rettung eilenden Nachzüglern werden ansprechend geschildert, Höhepunkt ist der Transport der CREST II auf den Schultern Icho Tolots. Negativ ins Gewicht fallen, wie immer bei Scheer, die Terraner-Lobhudeleien Atlans am Anfang des Romans. Diese sind um so ärgerlicher, da Atlan eine andere Position vertritt und seine angemahnte Vorsicht sich später als der potentiell korrekte Weg herausstellt.

Donnerstag, 25. Juni 2015

Jerry Cotton in Weiß - Gedanken über Arztromane im Heftchenformat (Teil 1)

 Eine wenig erforschte Domäne der Trivialliteratur sind die Arztromane, welche offenkundig nach wie vor gelesen werden, da es sie noch gibt.
Die Frage einer Genreeinteilung im Bereich der gebundenen Trivialliteratur stellt sich hier nicht. Für eine Kommentierung von Romanen wie "Der Arzt von Stalingrad" von Bestsellerautor Heinz G. Konsalik ist unerheblich, ob es sich um einen Arzt-, Kriegs- oder Historienroman handelt. Es sei denn, der Autor hätte eine bestimmte Einordnung ausdrücklich gewünscht und diese stünde mit Inhalt und Intention in Zusammenhang. Aus dem Titel allein kann man dergleichen aber nicht ableiten. 
Das Thema ist der Heftroman. Dort gibt es eine klar abgrenzbare Sparte "Arztroman". Oder vielleicht auch nicht, wie das Beispiel des Bergdoktors zeigen wird.
Über Heftromanserien wie Jerry Cotton, Perry Rhodan, John Sinclair oder Maddrax ist im Laufe der Zeit oft geschrieben worden. Diese Titel gehören zu dem Bereich, der im Impressum der Bastei-Romane regelmäßig mit dem Begriff „Spannungsromane“ umschrieben wird.

Die Liste der Spannungsromane aus dem Impressum von John Sinclair 440 „Mein letzter Fall“ aus dem Jahr 1986 nennt: 
Jerry Cotton, Jerry Cotton 2. Auflage, Jerry Cotton Bestseller, Jerry Cotton 4. Auflage, Der Hexer, Professor Zamorra, John Sinclair, John Sinclair 2. Auflage, John Sinclair 3. Auflage, Tony Ballard, Wildwest-Roman, Western-Hit, Texas-Western, Mexiko-Western, Western-Bestseller, G. F. Unger – Western, Lassiter, Lassiter 2. Auflage, Lassiter 3. Auflage, Robert Ullmann – Western.
(20 Titel)

Im Jahre 2014 wurden folgende Titel genannt (Jerry Cotton 2. Auflage Band 2595 „Das falsche Opfer“): 
Jerry Cotton 1. Auflage, Jerry Cotton 2. Auflage, Jerry Cotton Classic, Professor Zamorra, Maddrax, John Sinclair, G. F. Unger, G. F. Unger Sonderedition, Jack Slade, Lassiter, Lassiter 3. Auflage, Captain Concho, Western Bestseller, Winchester. 
 (14 Titel)

Der Männer- (Spannungs-) und der Frauenbereich sind traditionell streng getrennt.  Zum Spannungsbereich gehören offensichtlich Krimi, Science Fiction, Horror und Western.

Die Bastei-Homepage nimmt eine Unterteilung in Themenwelten vor. Diese Themenwelten sind im Spannungsbereich die Abteilungen "Krimi & Action", "Western und Helden", "Grusel & Horror" sowie "SF und Fantasy". 
Im Frauenbereich findet man die Themenwelten "Adel & Liebe", "Ärzte & Schicksale" sowie "Heimat & Berge".
Unter "Ärzte & Schicksale" findet man die Titel "Dr. Stefan Frank", "Dr. Stefan Frank - seine dramatischten Fälle", "Notärztin Andrea Bergen", "Chefarzt Dr. Holl", "Der Notarzt" und "Dr. Karsten Fabian". Zu diesen sechs Titeln kommt aus der Themenwelt "Heimat und Berge" noch der Titel "Der Bergdoktor" hinzu. 
Die beiden Reihen "Dr. Stefan Frank" und "Der Bergdoktor" erscheinen am interessantesten. Beide Titel sind auch schon im Fernsehen aufgetaucht, "Der Bergdoktor" in mehreren Inkarnationen bei mehreren Sendern und "Dr. Stefan Frank" mit dem Untertitel "Der Arzt, dem die Frauen vertrauen" als RTL-Serie mit Sigmar Solbach in der Titelrolle.
Eine wissenschaftliche Beschäftigung mit Arztromanen müsste auf sehr viele aufeinanderfolgende, d.h. nicht willkürlich ausgewählte Romane zurückgreifen. Ferner müsste der bisherige Forschungsstand berücksichtigt werden, auf bisherige Veröffentlichungen und Ergebnisse zurückgegriffen werden, so es denn dergleichen gibt. Eine detaillierte Analyse der einzelnen Bände wäre selbstverständlich.

Hier geht es nur um einen kleinen Einblick in den Bereich Arztroman und es werden voraussichtlich drei Hefte ausführlich kommentiert.


Denkbare Kriterien sind:
  1. Macht der Vorspann (Rota-Seite) neugierig auf den Roman?
  2. Wird die Arbeit der Mediziner und deren Wirkung einigermaßen realistisch dargestellt?
  3. Wird die Arbeit des Pflegepersonals in die Handlung einbezogen?
  4. Was ist das Thema des Romans?
  5. Welche Personen sind die Hauptfiguren?
  6. Welche Erzählperspektive(n) wird/werden verwendet?
  7. Werden Stilmittel verwendet?
  8. Schlüssigkeit der Handlung?
  9. Schlüssigkeit des Endes?
  10. Bezugnahme auf vorhergehende Romane?
  11. Einbeziehung realer medizinischer Fakten (neuester Stand?)
  12. Gesamteindruck

Vorbemerkung:


Als ich im Wintersemester 1999/2000 an einem interdisziplinären Seminar über das Wissenschaftsverständnis der Medizin teilnahm, kam in einer der Sitzungen die Rede auf das Thema „Der Ärztliche Blick“. Unter diesem versteht man die Fähigkeit eines Mediziners, mit einem Blick festzustellen, was einem Patienten fehlt. Ich verglich das unter großer Zustimmung mit der Fähigkeit, beispielsweise im Tennissport bei einem geschlagenen Ball wissen zu können, ob dieser ins Aus gehen wird/würde oder nicht. Eine Fähigkeit, geboren aus der Erfahrung. Wobei der Ärztliche Blick, so er wirklich existiert, natürlich weitaus komplexer ist. Von den anwesenden Ärzten beanspruchte ihn niemand für sich, mein Vergleich fand aber große Anerkennung.

Hier liegt der seltene Fall vor, dass ein in der Realität möglicherweise vorkommendes Phänomen nicht literatur- oder fernsehtauglich ist. Ein Arzt, der sofort die richtige Diagnose stellt, wäre einerseits unglaubwürdig und andererseits würden die dramaturgischen Möglichkeiten gegen Null tendieren.

In jenem Seminar fiel häufig der Begriff „Ätiologie“, von dem wahrscheinlich noch zu reden sein wird.
Die Frage, wie heutige Serienärzte beschaffen sind, führt zunächst zum Medium Fernsehen. Hier hat sich seit den Zeiten der idyllischen "Schwarzwaldklinik" (80er Jahre) und Michael Baiers betulicher "Freunde für's Leben" (90er Jahre) einiges getan.

Der Bergdoktor (ZDF/ORF seit 2008)

Die Hauptfigur der Serie ist Dr. Martin Gruber, der nach fünfjähriger Abwesenheit aus den USA in sein Heimatdorf Ellmau (Tirol) zurückkehrt. Gruber hat sich umfangreiches Fachwissen und eine große Berufspraxis erworben. Im Mittelpunkt einer 90-Minuten Folge steht ein komplizierter medizinischer Fall, für den Hausarzt Dr. Gruber für gewöhnlich alles Andere stehen und liegen lässt. Ein medizinisches Rätsel wird mit Ausdauer, Recherche und unermüdlicher intellektueller Neugierde gelöst. Dem Protagonisten stehen die Einrichtungen eines Krankenhauses zur Verfügung, in dem seine bester Freund Dr. Alexander Kahnweiler eine leitende Position inne hat. Manchmal wird auf eine unorthodoxe Behandlungsmethode zurückgegriffen, meist helfen aber konventionelle Behandlungen, sobald die Krankheit erst einmal erkannt wurde. Dr. Gruber greift gelegentlich direkt in die Behandlung seiner Patienten im Krankenhaus ein und führt dort auch die eine oder andere Operation durch. Zuweilen muss er -das moderne Gesundheitssystem lässt grüßen- auf unkonventionelle Weise ein neues Medikament oder die Behandlung durch eine Koryphäe für seine Patienten "erschleichen", zuweilen hart am Rande der Legalität und darüber hinaus.

Nebenbei schildert die Serie im Stile einer Seifenoper das Familienleben der Grubers, zu denen noch die Mutter Lisbeth, Bruder Hans und Tochter Lilly gehören.

Trotz der Seifernopern-Elemente setzt der moderne TV-“Bergdoktor“ im Bereich der Darstellung und dramaturgischen Aufarbeitung ausgefallener Krankheiten und der dazugehörigen Behandlungsmethoden Maßstäbe. Es wird interessant sein, ob der Arztheftroman da mithalten kann, zumal es auf diesem Sektor auch eine Reihe mit dem Titel „Der Bergdoktor“ gibt.
Eine weitere Serie ist "In aller Freundschaft" (ARD/MDR, seit 1998), welche, ebenfalls in einer Mischung aus Arztserie und Seifenoper, Geschichten an einer fiktiven Leipziger Klinik zeigt. In jeder Folge spielen jeweils nur wenige Personen aus dem großen Ensemble mit, die Darsteller wechseln sich also ab. Die Serie hat mit "In aller Freundschaft - Die jungen Ärzte" im Jahre 2015 ein Spin-off erhalten. Die Qualität der Geschichten ist ähnlich wie beim Bergdoktor. Die Ärzte sind ähnlich allwissend wie ihr Tiroler Kollege vom ZDF. Auffallend ist, dass sie eine Vielzahl verschiedener Operationen an diversen Organen durchführen, was in der Realität von Ärzten nicht zu leisten ist. Eine realistische Darstellung der Spezialisierung wird der Dramaturgie geopfert.

Dienstag, 17. März 2015

Der Kommissar: Rudek (Erstsendung 12.1.1973)

Im Anschluss an eine Konferenz nimmt der Geschäftsmann Doberg (Siegfried Lowitz) seinen Geschäftsfreund Rudek (Ernst Schröder) in ein Bordell mit, das Spaß mit blutjungen Mädchen verspricht. Für Rudek wird dieser Ausflug zu einem Homo Faber Erlebnis, steht er doch plötzlich zu seinem Entsetzen und grenzenlosem Zorn seiner Tochter Ursula (Ilona Grübel) gegenüber, die gemeinsam mit der Nachbarstochter Heidi (Hildegard Krekel) offensichtlich seit geraumer Zeit professionell anschaffen geht. Am nächsten Morgen liegt der Zuhälter Manuel Derrick (Sky Dumont) erschlagen im Flur seiner Wohnung, in der er das Bordell betrieb.
Für Kommissar Keller und seine Mitarbeiter kommt es nun darauf an, die Ereignisse des vorangegangenen Abends zu rekonstruieren, ein aufgefundener Zettel weist den Weg zu Doberg und damit auch zu Rudek und dessen Tochter.
Alte Herren, die mit jungen Damen anbändeln (wollen) sind ein außerordentlich beliebtes Motiv bei Reinecker. Zwar bezahlen die alten Herren ihre Lüsternheit nicht mit dem Leben, sie werden aber mit peinlichen Fragen und einem Mordverdacht konfrontiert. Die Auflösung kommt, das macht einen guten Krimi aus, für den aufmerksamen Zuschauer nicht wirklich überraschend.
Neben den routinierten Krimistars Lowitz, Schröder und Klaus Schwarzkopf wirkt in einer Nebenrolle die "Orion"-Admiralin und Dürrenmatt-Ehefrau Charlotte Kerr mit.
Eine besondere, wenngleich natürlich völlig unbeabsichtigte humorvolle Note erhält diese Folge dadurch, dass Reinecker hier erstmals den Namen Derrick verwendet, den später sein berühmtester und langlebigster Krimiheld und dessen Serie erhielten. "Jemand hat den Zuhälter Derrick erschlagen", und das auch noch aus dem Munde des späteren "Alten" Siegfried Lowitz, das hat etwas. Sky Dumont, späterer Dauergast bei "Derrick", überzeugt hier in seiner Rolle als schmieriger und zutiefst unmoralischer, wenngleich nicht uncharmanter Zuhälter.

Sonntag, 15. März 2015

Der Kommissar: Traum eines Wahnsinnigen (Erstsendung: 28.1.1972)

In der Männerabteilung einer Nervenklinik kommt es zu zwei Morden: Der Insasse Kabisch bringt zunächst einen Wärter und dann Professor Tesslin um, den Leiter der Anstalt. Diese Taten ermöglichen Kabisch die Flucht. Kommissar Keller und sein Mitarbeiterstab haben ein Problem: Kabisch, der wegen eines Mordversuchs an seiner Adoptivtochter eingeliefert worden war, ist ein renommierter Verwandlungkünstler, der sich in Sekundenschnelle mit wenigen Hilfsmitteln nahezu unerkennbar verkleiden kann. Dr. Hochstätter, Kabischs Arzt, der nächtelange Gespräche mit Kabisch geführt hat und diesen genau kennt, hilft der Polizei bei der Suche. Doch Hochstätter benimmt sich zunehmend seltsam. Man nimmt an, dass Kabisch nun den Mord an seiner Adoptivtochter, die gerade mit dem Zirkus Krone in München gastiert, vollenden will.
"Traum eines Wahnsinnigen" ist eine der ungewöhnlichsten und daher reizvollsten Folgen der Serie. Die Folge dreht sich zwar um eine Mörder-Suche, aber nicht im klassischen Stil eines Whodunit, da die Identität des Mörders -Kabisch- ja von Anfang an bekannt ist. Ihre Spannung bezieht die Geschichte aus der Frage, hinter welchen Masken sich Kabisch verbirgt. Es sind einige verschiedene Personen, die er im Laufe der Handlung verkörpert. Der namhafte Schauspieler, der Kabisch spielt, vollbringt hier eine Spitzenleistung. Da man Kabisch naturgemäß unter diesen Umständen nicht als er selbst reden lassen kann, wird die Figur des Dr. Hochstätter verwendet, um dem Zuschauer Kabischs Gedankengänge zu verdeutlichen. Reinecker hatte hier als Autor leichte Arbeit: da Kabisch nun einmal wahnsinnig und gleichzeitig hochintelligent ist, müssen seine Gedanken zwar einer gewissen inneren Logik folgen, aber nicht wirklich sinnvoll sein. Curd Jürgens spielt den undurchsichtigen Nervenarzt mit der ihm eigenen Intensität. Im James Bond Film "The spy who loved me" hatte er 1977 Gelegenheit, die Darstellung menschenverachtenden Wahnsinns auf die Spitze zu treiben.